Der vierte der Seven Summits ist geschafft: Nicolas erreicht den Gipfel der Carstensz-Pyramide in Indonesien

Da waren´s nur noch drei: Am 2. Oktober 2018 steht Nico nach tagelanger Dschungel-Expedition auf dem 4.884 m hohen Gipfel der Carstensz-Pyramide, dem höchsten Punkt Ozeaniens und somit Nummer 4 seiner Seven Summits.

Obwohl die Carstensz-Pyramide nicht zu den schwierigsten zu erklimmenden Gipfeln zählt, ist diese Expedition für Nico die bislang beschwerlichste. Körperlich und auch geistig gerät er an seine Grenzen und muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, warum er diese Strapazen auf sich nimmt. So erlebt er im endlosen Dschungel Ozeaniens vielleicht zum ersten Mal ernsthafte Momente des Zweifelns, in denen er sich fragt „Warum tue ich mir das eigentlich alles an?“. Gut, dass er nicht nur allein den Gipfel selbst im Blick hat, sondern sein daran gekoppeltes Hilfsprojekt 7summits4help. Das treibt ihn voran.

Das Hilfsprojekt

Die Carstensz-Pyramide liegt im Pazifischen Ozean und daher gehen auch die gesammelten Spenden im Rahmen dieser Gipfelexpedition an ein Projekt der German Doctors im Pazifik. Die Insel Luzon ist die zweitärmste Provinz auf den Philippinen. Viele indigene Gruppen sind aufgrund der bergigen Landschaft von medizinischer Versorgung komplett abgeschnitten. Deshalb haben die German Doctors eine „Rolling Clinic“ aufgebaut. Bisher fährt sie auf drei Touren verteilt 17 Bergdörfer an, bei denen sie die einheimischen Bergbauern basismedizinisch versorgt. Gleichzeitig werden vor Ort Gesundheitsarbeiter ausgebildet, die später die grundlegende medizinische Betreuung übernehmen sollen. 2018 gab es zwei Einsätze der rollenden Klinik, geplant sind 16 pro Jahr.

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Wie kam es dazu?

Die Carstensz-Pyramide als vierten der sieben Gipfel aller Kontinente zu besteigen erscheint Nicolas einfach logisch: Sie ist mit Kletterschwierigkeit V anspruchsvoll, aber nicht zu schwierig. Aufgrund ihres Anmarsches und ihrer Höhe von 4.884 m erfordert sie eine profunde Mischung aus Planungs-, Wander- und Klettererfahrung. Und sie eignet sich ideal, um weitere Erfahrung vor den „harten Brocken“ zu sammeln, die ihm noch bevorstehen. Zudem ist dieser Berg ganz anders als die letzten drei – weil schneefrei – und bietet daher eine gelungene Abwechslung zu Nicos bisherigen Seven Summit Erfahrungen auf Kilimanjaro, Elbrus und Aconcagua.

Die Vorbereitung<

Die Expedition auf den vierten der Seven Summits kann in zwei charakteristische Abschnitte aufgeteilt werden: Die fünftägige, 80 km lange Wanderung durch stark bewaldetes, hügeliges und sehr feuchtes Dschungelgelände. Und den Gipfel selbst, eine etwa 2-3 stündige Kletterpartie auf den aus Kalkstein bestehenden Gipfel. Nicos Equipment ist auf diese Bedingungen ausgerichtet: Neben Gummistiefeln hat er zwei Regenschirme, ein drittes Paar Socken, diverse Funktionskleidung sowie natürlich Kletterausrüstung dabei.

Nicos Trainingsvorbereitung besteht aus mehreren Einheiten Klettertraining und einer 76 km langen Wanderung von Oberstdorf nach Garmisch-Partenkirchen. Aber obwohl er bei der Wanderung in den Alpen das Doppelte an Gepäck auf dem Rücken trägt, erscheint sie ihm viel weniger anstrengend als die tatsächliche Expedition. Grund: Die Wanderung durch den Dschungel muss er mit Gummi- statt Wanderstiefeln absolvieren, das feucht-warme Klima ist er nicht gewohnt und Wege gibt es praktisch keine. Oft müssen die Expeditionsteilnehmer und Begleiter den Weg mit Macheten durchs Dickicht freischlagen. Unter diesen Bedingungen sind selbst kürzere Strecken eine echte Herausforderung.

Das Abenteuer beginnt

Die Anreise zum Start der Expedition auf den Gipfel der Carstensz-Pyramide teilt sich in drei Etappen: Flug von Hamburg über Paris und Singapur nach Denpasar in Bali. Nach einem Tag Aufenthalt in Bali geht es mit einer kleinen Maschine 3,5 Stunden über die indonesische Inselwelt nach Timika auf Papua. Dort trifft Nico zum ersten Mal auf sein bunt durchgewürfeltes Team, das sich während der Expedition im Gegensatz zu den bisherigen Reisen leider nicht als ein solches erweist: Jeder geht sein eigenes Tempo und zieht seine eigene Mission durch.

Doch alle haben das gleiche Ziel: Den Gipfel der Pyramide zu erreichen! Und so machen sie sich am 27. September nach einem weiteren Zwischenstopp in Illaga auf den 5-tägigen, schier endlosen Marsch durch den Dschungel bis zum Basiscamp. 1.800 Höhenmeter und 80 Kilometer gilt es zu überwinden.

Der Weg ist für die Wanderer äußerst anstrengend. Trotz Gummistiefel sind nasse, eingeschlammte Socken und Füße an der Tagesordnung, das Gehen ist beschwerlich, die Tagesmärsche sind zwischen 6 und 8 Stunden lang. Immer wieder muss sich Nico selbst motivieren, weiterzugehen: „Mit jedem Schritt komme ich näher, komme ich näher.“ Negative Emotionen versucht er komplett auszuschalten – die einzige Devise lautet: weiterlaufen und durchhalten.

Zweimal Gipfel und zurück

„Weiter, immer weiter“, dieses Mantra hilft Nico auch bei dieser Expedition über Durststrecken hinweg. So erreicht er am 1. Oktober das Basiscamp. Erschöpft und ausgezehrt durch die gewöhnungsbedürftige Essensversorgung und die daraus resultierenden körperlichen Erscheinungen: Einem hartnäckigen Magen-Darm-Infekt.

Doch einmal im Basiscamp angekommen, gibt es zumindest ein wenig mehr Komfort und die Expeditionsteilnehmer können sich ausruhen. Die Gipfelbesteigung ist für den nächsten Tag vorgesehen und startet wie geplant um 5 Uhr morgens. Der Zustieg zum Gipfel erfolgt über die sogenannte „Carstensz Weide“ und dem Yellow Valley. Am Fuß der Pyramide angekommen, müssen die Gipfelstürmer 500 Höhenmeter kletternd absolvieren, doch für Nico stellt dies keine Hürde dar. Gut trainiert und hoch konzentriert meistert er auch den steilen Grat kurz vor dem Gipfel.

Am 2. Oktober um ca. 08.30 Uhr ist Nico auf dem vierten Gipfel der Seven Summits angekommen!

Und weil für das Basecamp drei Tage Aufenthalt geplant sind, besteigt er den Gipfel einen Tag später mit einer deutschen Teamkollegin gleich noch einmal – diesmal in nur 2 Stunden. Was sonst soll man auf so einer Hochebene im Papuanischen Dschungel auch machen!?

Der Rückweg

Während sich sein amerikanischer Zeltnachbar sowie der Expeditionsleiter (in der Tat!) dazu entscheiden, auf die Strapazen des Rückmarsches durch den Dschungel zu verzichten und sich aus dem Basecamp mit dem Helikopter abholen zu lassen, macht sich Nico mit dem Rest des Teams erneut auf den abenteuerlichen Marsch durch Matsch und Dickicht. Geplagt von Durchfall und das immer noch ungewohnte Klima erreicht die Gruppe schon nach vier anstatt fünf Tagen die Stadt Illaga. Aber nicht, weil sie schneller laufen wollten, sondern weil die Träger einfach keine Lust mehr hatten, länger zu schleppen und ihre Familien vermissten.

Wieder zuhause

Auch zwei Wochen nach der Rückkehr aus dem tropischen Klima ins heimische Bremen hat sich Nicos Körper noch nicht vollständig von der Expedition und der Ernährung erholt. Sein Fazit nach dieser Gipfelbesteigung: „Schneeberge sind mir eindeutig lieber!“

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