Der dritte der Seven Summits ist geschafft: Nicolas erreicht den Gipfel des Kilimanjaro

Nicolas Scheidtweiler steht am 3. Januar 2018 überwältigt am höchsten Punkt Afrikas auf 5.895 m! Ein weiterer Schritt für 7summits4help ist vollbracht, jetzt fehlen „nur“ noch vier Gipfel.

Nicolas‘ Kilimanjaro Hilfsprojekt

Im Rahmen jeder Bergbesteigung sammelt Nicolas für ein Hilfsprojekt der German Doctors auf dem jeweiligen Kontinent. Diesmal fließen die Erlöse 1:1 in den Kampf gegen HIV und Unterernährung in Nairobi, Kenia. Nicolas hat die Station nach seiner Gipfelbesteigung besucht, mehr dazu hier.

Wer für sein aktuelles Projekt spenden will, kann dies hier tun.

(c) German Doctors

 

Jetzt alles zu Nicolas‘ Kilimanjaro Expedition lesen


Der Kilimanjaro

Der Kilimanjaro ist das höchste Bergmassiv Afrikas, es liegt im Nordosten von Tansania. Mit seinen 5.895 Metern ist der Kibo der höchste Berg dieses Massivs und ist zudem der vierthöchste Gipfel der 7 Summits. Trotz seiner Höhe gilt er – aus Bergsteigersicht – als relativ einfach. Aber man sollte ihn nicht unterschätzen: Wegen seiner Höhe ist eine gute Akklimatisierung Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Besteigung. Als Route hat sich Nicolas für die Rongai Route entschieden. Sie ist zwar sehr flach, aber ursprünglicher und weniger begangen als die meisten anderen – so seine Hoffnung.

Vorbereitung & Team

Wie bei allen 7 Summit Expeditionen muss Nicolas auch beim Kilimanjaro mit großen Temperaturunterschieden zurechtkommen: In Moshi herrschen um die 30° C, am Gipfel Schnee und um die -10° C. Für ihn bleibts trotzdem bei „kleinem Gepäck“ – jedenfalls im Vergleich zu seinen anderen Berg-Expeditionen.

„Neben der Akklimatisierung ist die zweite große Herausforderung am Kilimanjaro der soziale Aspekt: Sechs Tage 24 Stunden durchgehend zusammen zu sein und sogar das Zelt zu teilen, ist manchmal recht anstrengend“, bekennt Nicolas. Aber: Auch diesmal hat er wieder Glück mit „seiner“ Mannschaft, mit der er sich super versteht. Es sind sechs Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz. Sein Zeltpartner ist Tjalf, Botschafter von WERDER BEWEGT, der Verein für soziales und gesellschaftliches Engagement des Erstligisten Fußballvereins WERDER BREMEN. Dazu kommt das Ahsante-Team der Agentur mit drei Bergführern, einem Koch, einem Camp-Manager, einem „Butler“, drei Spezialisten für Wasser, Zelte und WC sowie 15 Träger.

Verstehen sich super: Nicolas und seine Gruppe für die Kilimanjaro-Besteigung

Das Abenteuer beginnt

29. Dezember 2017

Wie immer beginnt auch diese Expedition nicht zu Fuß, sondern mit einer fast vierstündigen Autofahrt zum Nalemuru Gate, dem Eingang im Norden des Parks. Einziger Stopp ist am Machame Gate, wo die Gruppe die Parkzugangserlaubnis kauft. „Alleingänge ohne Bergführer sind strikt verboten und die Träger haben ihre eigene Gewerkschaft“, erfahren die überraschten Neuankömmlinge.

Nach dem Mittagessen geht es gut eingecremt durch Pinienfelder und Kartoffelplantagen endlich zu Fuß weiter. „Eine leichte Wanderung bei angenehmen Temperaturen“, wie Nicolas findet. Nach rund zwei Stunden und 7 Kilometern kommt er mit seinem Team am Nachmittag im Simba Camp auf 2.671 m Höhe an.

Endlich zu Fuß unterwegs: Vom Nalemuru Gate zum Simba Camp

30. Dezember 2017

Um 6:20 Uhr springt Nicolas motiviert aus dem Schlafsack und fängt sofort an für den Tag zu packen. Wichtig ist die Vorbereitung des Trinkwassers mit Entkeimungstabletten. Heutiges Ziel ist das Kikelewa Camp rund 1.000 Meter höher. Der Weg ist einfach und erfordert keine Konzentration, für Nico bedeutet das „seine Gedanken treiben lassen“. Gegen Mittag ist die Hälfte der Strecke geschafft – Lunchtime!

Auf 3.400 m macht sich langsam die Höhe bemerkbar, die Atmung wird schwerer.

Nach weiteren drei Stunden sind sie da: Das riesige Kikelewa Camp auf 3.680 m präsentiert sich voller bunter Zelte der Agenturen. Am Abend ist Nicolas verzweifelt: Sein Zeltpartner hat Durchfall und Schüttelfrost bekommen. „Bloß nicht anstecken“ ist das einzige, was er denken kann, denn nach seiner Erfahrung am Elbrus will er auf gar keinen Fall wieder bei einer Gipfelbesteigung Diarrhö bekommen.

Blick auf das Kikelewa Camp

31. Dezember 2017

Glück gehabt, seinem Zeltpartner geht es wieder besser, dank Suppe und Weißbrot! Doch so gut der Tag auch startet, er bleibt es leider nicht.

Das Ziel des heutigen Tages ist die Mawenzi Tarn Hut auf 4.315 m. „Tarn“ heißt Bergsee, ist aber

alles andere als romantisch.

Der Grund: Er ist voller Müll und Essensreste, wie auch das restliche Lager. Die Touristen und Einheimische ignorieren gleichermaßen das Rauchverbot, werfen ihre Zigarettenstummel einfach auf den Boden und ihren Abfall gleich hinterher. „Bin ich froh, dass ich mit Elbrus und Kilimanjaro die „Touristen-Berge“ hinter mir habe und meine nächsten Gipfel nur noch von Leuten bestiegen werden (können), die wissen, wie man sich in der Natur verhält“, denkt Nicolas wütend.

Passend zu seiner Stimmung schlägt auch das Wetter um: Am Abend senkt sich nasser Nebel über die Zelte. Ab 18:30 Uhr ist es kalt und dunkel. Nach dem Abendessen verkriechen sich alle schnell in ihre wärmenden Schlafsäcke … von Silvester keine Spur.

Am Silvesterabend liegt das Kikelewa Camp im Nebel

 

01. Januar 2018

Oder doch?! Um Mitternacht feiern die tansanischen Träger den Jahreswechsel: 30 Minuten Gesang in unglaublicher Lautstärke. Der Rest versucht zu schlafen. Es wird eine schlechte, unruhige Nacht. Die Höhe fordert nun endgültig ihren Tribut mit Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und unvorstellbarer Müdigkeit.

Ein Glück, dass heute Ruhetag ist!

Alle freuen sich, dass das Frühstück erst um 8.00 Uhr beginnt. Mit Obst, French Toast, Omelette und Pancakes ist es heute besonders reichhaltig und lecker. Trotzdem müssen sich alle zum Essen zwingen, denn die Höhe macht appetitlos.

Danach geht es zu einem Akklimatisierungsmarsch auf 4.700 m. Wieder zurück ist die Gruppe so erledigt, dass sich alle mitten am Tag schlafen legen. Unvorstellbar, wie müde diese Höhe macht. Der Abend wartet mit einem Naturschauspiel auf: Ein Gewitter erleuchtet mit seinen Blitzen den kenianischen Himmel.

Akklimatisierungsmarsch von 4.315 m auf 4.700 m – und wieder zurück

02. Januar 2018

Der Morgen empfängt das Team mit einem eingeschneiten Kilimanjaro – ein tolles und eher seltenes Bild. Der Ruhetag mit dem Akklimatisierungsmarsch hat gut getan, Nicolas fühlt sich stark und zuversichtlich. Nur noch wenige Stunden trennen ihn vom Gipfel.

Nach einem frühen Aufbruch erreicht er nach 9 km und 400 Höhenmetern das Basislager Kibo Hut um 12 Uhr mittags. Es liegt auf 4.720 m, von hier aus wird in 14 Stunden zum Uhuru Peak gestartet. Der Nachmittag ist mit Vorbereitungen für den Gipfelaufstieg ausgefüllt.

Von Mawenzi Tarn Hut zur Kibo Hut mit tollen Ausblicken auf den eingeschneiten Kilimanjaro

Der Gipfeltag

03. Januar 2018

Der längste Tag dieses Abenteuers! Von Kibo Hut auf 4.720 m geht es hoch zum Uhuru Peak auf 5.895 m und dann runter auf 3.720 m zur Homrombo Hut. 21 Kilometer und 1.000 Höhenmeter sind zu bewältigen!

Über Nacht hat es so viel geschneit, dass Nicolas nach dem Aufstehen um 2:00 Uhr völlig überrascht in eine mond-erleuchtete atemberaubende Schneelandschaft blickt. In Begleitung des jüngsten Bergführers verlässt er das Camp. Sein Tempo ist dynamisch … so dynamisch, dass er und sein Bergführer sich in der Dunkelheit schon bald aus den Augen verlieren.

Nächtlicher Aufstieg zum Gipfel

„Wieso Schlangenlinien laufen, wenn es auch gerade geht?“, denkt sich Nico und beschließt, nicht wie alle anderen in Serpentinen den Hang zu laufen, sondern den direkten Weg zu gehen, schließlich ist es „gar nicht so steil“.

Auf der Suche nach Gilmans Point

Doch sein Alleingang hat einen Nachteil: Er überholt alle und hat so keine Spuren mehr, denen er folgen kann. Nach einiger Kletterei steht er schließlich auf dem Kamm – und muss feststellen, dass er zu hoch ist und wieder herunter klettern muss. Um 4:30 Uhr erreicht er Gilmans Point auf 5.685 m – allein, im Dunkeln und durchgeschwitzt. Um kein weiteres Risiko einzugehen, wartet er bis 5.00 Uhr. Endlich kommt sein Bergführer mit zwei weiteren Teammitgliedern.


Der Stella Point (5.756 m) ist überfüllt mit Menschen, da sich hier beide Basislager treffen. Die letzten 250 m sind dann Emotion pur: Vorfreude auf den Gipfel – und dann bricht auch noch die Sonne als goldener Streifen am Horizont zwischen den Wolken hervor.

Um 6.30 Uhr ist es soweit: Nicolas steht auf dem Uhuru-Peak (5.895 m), dem höchsten Punkt Afrikas!

Nicolas am Gipfel des Kilimanjaro auf 5.895 m

Glücklich, aber auch müde ist er, denn der sehr schnelle Aufstieg zum Gilmans Point war doch kräftezehrender als gedacht. Und so rollen auch bei Nicolas wieder ein paar Tränen als er auf dem Gipfel steht.


Eine halbe Stunde und den obligatorischen Fotos später ist es Zeit für den Heimweg. Selbst hier am Kilimanjaro ist klar:

Der Abstieg vom Gipfel ist die gefährlichste Etappe der Unternehmung

Man ist müde, die Motivation und Euphorie sind weg. Ohne Konzentration passiert schnell ein verhängnisvoller Fehler, v.a. wenn, wie ab Gilmans Point, der Weg unangenehm rutschig wird. Glücklicherweise kommen alle wohlbehalten im Basis Camp an. Von dort geht es nochmal 14 km weiter zur Horombo Hut, wo die Gruppe die Nacht verbringt. Trotz Regen sind alle gut gelaunt, die Freude über die gelungene Gipfelbesteigung lässt sich nicht so leicht trüben.

Um 16:00 Uhr kommen schließlich alle im Camp an. 14 Stunden war Nicolas nun unterwegs und er ist froh, endlich in seinen Schafsack zu kommen.

04. Januar 2018

Duschen ist das Ziel des Tages! Doch vorher muss die Gruppe nochmals 6 Stunden wandern. Was gestern noch unvorstellbar war, erscheint heute, nach einer tief durchschlafenen Nacht, gar nicht mehr so schlimm. Zudem entpuppen sich die letzten 19 Kilometer als einzigartige Reise durch verschiedenste Klimazonen.

Nicolas packt das letzte Mal Transportsack und Daypack

Dann geht es los Richtung Marangu Gate, wo die Gruppe vor sechs Tagen startete. 2.000 m bergab, leider sind durch den langen Regen die Wege aufgeweicht und rutschig. Wer nicht stürzen möchte, muss sich konzentrieren und langsam gehen. Mitten in einem riesigen Regenwald kreuzen große Affen den Weg.

Vom Marangu Gate aus fährt der Geländewagen noch dreieinhalb Stunden bis zur Weru Weru River Lodge. Doch bevor alle unter die Dusche dürfen, besteht Bergführer Julio auf den offiziellen Abschluss der Expedition: Die Übergabe der Zertifikate über die erbrachte Leistung. Dann endlich:

Duschen!
Sie haben es geschafft: Das Zertifikat zur Kilimanjaro Besteigung beweist es

Was Nicolas auf seiner Afrika-Reise noch erlebt hat: Besuch bei den German Doctors in Nairobi