Der zweite der Seven Summits ist geschafft: Nicolas Scheidtweiler erreicht am 29. Dezember den Gipfel des Aconcagua

Tränen des Glücks auf fast 7.000 Metern. Nach 9 Stunden Gipfelaufstieg steht Nicolas Scheidtweiler auf dem höchsten Berg Südamerikas! Ein weiterer Schritt für 7summits4help ist vollbracht, jetzt fehlen „nur“ noch fünf Gipfel.

Das Aconcagua Hilfsprojekt

Die Erlöse fließen 1:1 in die zahnärztliche Versorgung der verarmten Landbevölkerung in Nicaragua, dem zweitärmsten Land Lateinamerikas. In Ocotal unterhalten die German Doctors ein Partnerprojekt mit der lokalen Organisation Asociación Vida Nueva. Ca. 7.500 EUR Spenden kamen über Nicoals‘ 7summits4help dafür zusammen. Wer für sein aktuelles Projekt zum Kilimanjaro spenden will, kann das hier tun.

(c) German Doctors

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Wie kam es dazu?

Eigentlich wäre der Kilimanjaro der logische Nachfolger für den Elbrus gewesen. Als nächsthöherer Berg und bergsteigerisch nicht übermäßig anspruchsvoll scheint er ideal. Doch gerade aus diesem Grund entscheidet sich Scheidtweiler anders: Er sucht zunächst etwas „reizvolleres“, eine „größere Herausforderung“. Die Wahl fällt auf den Aconcagua – mit seinen 6.962 m der höchste Berg Südamerikas. Als Route will Scheidtweiler die 360 Grad Polen-Traverse gehen. Sie hat einen mittleren Schwierigkeitsgrad und soll – da man den Berg einmal komplett umrundet – sehr schön sein. Weiterer Vorteil im Vergleich zur Normalroute: Aufgrund des Schnees ist die Trinkversorgung einfacher.

 

Die Vorbereitung

Das wichtigste ist die richtige Ausrüstung. Die extremen Temperaturunterschiede am Aconcagua machen das Packen jedoch zu einer echten Herausforderung. In Mendoza ist es 34° C warm, am Gipfel kann es bis zu -35° C kalt werden. Scheidtweiler findet, dass 30 kg Gepäck jedoch für alle Eventualitäten der Expedition ausreichen müssen.

Die Vorbereitung läuft

Das Abenteuer beginnt

18. Dezember 2016

Nach einem 18-Stunden-Flug und einer ersten Nacht in Mendoza, Argentinien, trifft Scheidtweiler sein Team: ein Argentinier, ein Italiener, eine Irin und ein Ire, ein tschechisches Paar aus London, ein Kanadier aus New York und natürlich die Bergführer Julver aus Peru und Bruno aus Argentinien. Eine prächtige Truppe aus allen Teilen der Welt – die Chemie stimmt!

Jetzt kann es losgehen!

19. Dezember 2016

Die Zugangsberechtigung für das Aconcagua-Gebiet muss gekauft werden, was neben einer ziemlichen Lauferei auch ganz schön viel Geld kostet: 900 US-Dollar will die Behörde für die Permit für Ausländer an diesem Tag. Aber dann geht es los: Der Bus wird beladen und das Team fährt 3 Stunden nach Penitentes.

20. + 21. Dezember 2016

Von Penitentes wandert die Gruppe bei 35° Celsius und ohne Schatten auf zwei Tage verteilt zum Camp Casa de Piedra.

 

 22. Dezember 2016

Doch auch im Casa de Piedra ist kein Verweilen angesagt: Um 5.00 Uhr morgens packen Scheidtweiler und sein Team die Zelte zusammen, um ins Basislager Plaza Argentina auf 4200 m aufzusteigen. Dort macht sich urplötzlich die Höhenluft bei den Teilnehmern bemerkbar: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erbrechen! Und das zwei Tage vor Weihnachten.

24. Dezember 2016

Nach einem Ruhetag startet Scheidtweiler zu Camp 1 auf 4.950 m. Sein Rucksack wiegt 15 kg inkl. 6 kg Essensvorräte, die jeder tragen muss. Es geht relativ steil nach oben, die Natur entschädigt mit beeindruckenden Skulpturen. Oben angekommen wird die Ausrüstung windfest verstaut und schon geht es wieder hinunter. Nach 7 Stunden sind alle zurück im Basislager und feiern wohlverdient Heilig Abend.

Heilig Abend im Camp 1

26. Dezember 2016

Der 1. Weihnachtsfeiertag ist ein weiterer Ruhetag, um gut gestärkt und akklimatisiert den 2. Teil der Ausrüstung ins Camp 1 zu tragen. Diesmal machen die 800 Höhenmeter aber weitaus mehr Probleme: Scheidtweiler muss sich durch heftige Schneeböen kämpfen. Das Zeltaufstellen geht bei diesem Sturm nur noch zu sechst. Die Füße sind trotz Doppelisolierung der Stiefel gefroren.

 

 

27. Dezember 2016

Schon am nächsten Tag geht es weiter zu Camp 2 auf 5.500 m. Nach rund 4 Stunden kommt die Gruppe erschöpft an, von Kopfschmerzen und Übelkeit geplagt. Der Puls ist erhöht, das Atmen fällt schwer. Alles Nebenwirkungen der Höhe. Eigentlich hätte der nächste Tag ein Ruhetag zum Kräftetanken und zur besseren Akklimatisierung werden sollen. Aber die Wettervorhersage prophezeit Schlechtwetter nach dem 29. Somit fällt der Ruhetag vor dem Gipfeltag aus – das wird hart!

Blick vom Camp 2 ins Tal

 

28. Dezember 2016

In der Nacht bekommt Scheidtweiler Panik. Etwas liegt bleischwer auf seiner Brust. Er bekommt keine Luft mehr und will nach unten gebracht werden. Doch Bergführer Julver lehnt ab. Am Morgen geht es wieder besser und Scheidtweiler schafft den Marsch zum Camp 3 auf 6.000 m ohne Zwischenfälle.

Der Gipfeltag

29. Dezember 2016

Um 3:30 Uhr klingelt der Wecker. Es ist so kalt, dass Zelt und Schlafsäcke gefroren sind. Nach 1,5 Stunden kann es endlich losgehen. Allein für das Anziehen der Doppelschuhe und Steigeisen hat Scheidtweiler eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Nicht umsonst wartet man zur Höhenanpassung vor dem Gipfelsturm noch einen Tag ab. Doch diesmal muss es ohne den Ruhetag gehen.

Das Team ist still, die Stimmung gedrückt. Gegen 6.00 Uhr ist endlich ein goldener Streif am Horizont zu sehen: Die Sonne ist da, sofort steigt die Motivation. Scheidtweiler schaltet seine Stirnlampe aus und spürt die Wärme im Gesicht. Gänsehaut-Feeling. Am Lager Independencia gibt das erste Teammitglied auf und geht zum Camp 3 zurück. Nach ca. 5 Stunden erreicht die Gruppe „erst“ 6.600 m. Scheidtweiler ist überrascht: Die Dauer des Aufstiegs und die Erschöpfung fühlen sich nach mehr an. Alle sind völlig ausgelaugt. Ein weiteres Teammitglied steigt aus und bleibt zurück. Jetzt wird es erst richtig steil. Und plötzlich: Der Eingang zum Gipfel. Wieder Gänsehaut. Und Adrenalin. Auf einmal ist die Kraft wieder da!

Endlich auf dem Gipfel

Um 13:50 Uhr betritt Scheidtweiler nach fast 10 Stunden den Gipfel. Er ist körperlich völlig am Ende. Tränen des Glücks stehen in seinen Augen. Der zweite Schritt seines Hilfsprojekts 7summits4help ist vollbracht. „Das geilste, was ich jemals gemacht habe“, sagt er gerührt in die Kamera für sein Gipfelvideo. Dann beginnt auch schon der Abstieg. Er ist meistens der gefährlichste Teil der gesamten Unternehmung: Das Adrenalin sinkt, die Müdigkeit steigt – dabei passieren die meisten Unfälle. Um 19.00 Uhr ist Scheidtweiler als einer der Ersten zurück im Camp 3. Er ist hungrig, gereizt und völlig übermüdet.

 

 

30. Dezember 2016

Aufbruch von Camp 3 über die Normalroute ins Basislager Plaza de Mulas. Das Team fühlt sich müde und schwach, manche sind apathisch. Immer noch macht sich die zu kurze Akklimatisierung wegen des fehlenden Ruhetags bemerkbar. So wird der Abstieg fast so anstrengend wie der Gipfelsturm selbst. Aber unten erwartet Scheidtweiler eine Überraschung: Eine kostenlose heiße Dusche! Der Schmutz von zehn Tage wird endlich abgewaschen. Was für ein Gefühl!

31. Dezember 2016

Das letztes Mal müssen die Kraftreserven mobilisiert werden: Ein 30 km langer Marsch durch ein langgezogenes Flusstal bei ca. 30 Grad Celsius und gleißender Sonne wird zur ungeahnten Herausforderung. Doch am Ende kommen alle in Penitentes an. Glücklich, es geschafft zu haben. Stolz, dass der Geist über den Körper gesiegt hat.

 

 

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